Thomas Müller führt die Bäckerei Müller in Michelstadt bereits in dritter Generation. Was 1952 als kleine Backstube begann, ist heute ein fester Bestandteil des Stadtbildes. Wir haben mit ihm über Handwerk, Heimat und die Zukunft des regionalen Bäckerhandwerks gesprochen.
Herr Müller, Ihre Familie betreibt die Bäckerei seit über 70 Jahren. Was hat sich seitdem verändert?
Die Grundlagen sind gleich geblieben — gutes Mehl, frische Zutaten, Handarbeit. Aber natürlich hat sich drumherum alles verändert. Mein Großvater hat morgens um 2 Uhr den Ofen angeheizt und alles per Hand geknetet. Heute haben wir moderne Öfen und Knetmaschinen, aber wir verzichten bewusst auf industrielle Backmischungen. Das schmeckt man. Unsere Stammkunden sagen immer: Bei euch schmeckt es wie früher.
Was bedeutet der Odenwald für Ihr Geschäft?
Alles. Wir beziehen unser Mehl von einer Mühle in Erbach, die Eier kommen von einem Hof in Rehbach. Wenn ich morgens die Backstube betrete und durch das Fenster auf die Altstadt schaue, dann weiß ich, warum ich das mache. Die Region ist nicht nur unser Standort — sie ist unsere Identität. Unsere Kunden sind Nachbarn, Freunde, Familie.
Was ist Ihr meistverkauftes Produkt?
Das Odenwälder Bauernbrot. Das backen wir seit meinem Großvater nach dem gleichen Rezept. Roggenmischung, lange Teigführung, im Steinofen gebacken. Am Samstag verkaufen wir davon bis zu 200 Stück. Dann das Zwiebelkuchen im Herbst — da stehen die Leute Schlange.
Wie sehen Sie die Zukunft des regionalen Bäckerhandwerks?
Schwierig, aber nicht hoffnungslos. Große Ketten drücken die Preise, der Fachkräftemangel ist real. Aber ich merke, dass die Leute zunehmend Wert auf Qualität legen, auf echtes Handwerk. Wer billig will, geht zum Discounter. Wer Geschmack will, kommt zu uns. Mein Sohn macht gerade seine Ausbildung — Generation vier steht also bereit.
Was wünschen Sie sich für den Odenwald?
Dass die jungen Leute bleiben. Oder wiederkommen. Der Odenwald hat so viel zu bieten — Natur, Gemeinschaft, Lebensqualität. Aber dafür brauchen wir Arbeitsplätze, schnelles Internet und eine gute Infrastruktur. Wenn wir das hinbekommen, dann hat der Odenwald eine großartige Zukunft.