Maurer- und Betonbauermeister, Bauingenieur, Bauphysiker: Koray Carikcioglu verbindet Handwerk, Ingenieurwissen und Klimaschutz. In unserer Porträt-Reihe stellen wir einen Odenwälder vor, der an der DHBW Mosbach studiert hat, dort heute selbst unterrichtet und mit seinem Büro in Neckarsulm Gebäude über ihren ganzen Lebenszyklus betrachtet.
Vom Mauerwerk zur Bauphysik
Wer ein Gebäude plant, muss heute weit mehr bedenken als Statik, Grundriss und Baukosten. Wie viel Energie braucht das Haus? Wie gut schützt es vor Lärm, Hitze und Feuchtigkeit? Und welche Folgen haben die Baustoffe für die Umwelt? Diese Fragen prägen den beruflichen Alltag von Koray Carikcioglu.
Sein fachlicher Hintergrund ist breit. Carikcioglu ist Maurer- und Betonbauermeister, hat an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach Bauingenieurwesen studiert und an der Bauhaus-Universität Weimar einen MBA im Projektmanagement Bau sowie einen Master in Bauphysik erworben.
Diese Mischung aus Handwerk, Ingenieurwissen und Management prägt seine Arbeit. Bauphysikalische Anforderungen stecken oft in Kennwerten und Normen. Wer selbst gemauert und betoniert hat, hat zugleich im Blick, was davon auf der Baustelle tatsächlich umsetzbar ist.
Nachhaltigkeit als Planungsaufgabe
Seit 2024 ist Carikcioglu Geschäftsführer der werkgruppe neckar bauphysik GmbH in Neckarsulm. Das Büro gehört zur Werkgruppe Neckar und kümmert sich um Wärme-, Schall- und Feuchteschutz, Raumakustik, Energieberatung und die Nachhaltigkeitszertifizierung von Gebäuden.
Ein Schwerpunkt ist das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude, kurz QNG. Das staatliche Siegel bewertet Gebäude nach Nachhaltigkeitskriterien, darunter ihre Umweltwirkungen über den gesamten Lebenszyklus. Carikcioglu ist als QNG-Auditor und Konformitätsprüfer qualifiziert.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigen die Projekte des Büros. Sie reichen von der Energieberatung für denkmalgeschützte Gebäude bis zur Bauphysik und QNG-Zertifizierung größerer Neubauten, etwa der Augustenhöfe in Stuttgart, des Stauferduetts in Bad Wimpfen und eines Wohn- und Gewerbeprojekts mit 192 Wohnungen in Wilhelmshaven.
Bauphysik bedeutet damit längst mehr als Dämmung und Energiesparen. Es geht um das Zusammenspiel von Konstruktion, Materialwahl, Wohnkomfort und ökologischen Anforderungen.
Wissen weitergeben
An der DHBW Mosbach, wo er selbst studiert hat, unterrichtet Carikcioglu heute als Lehrbeauftragter Baukonstruktion und Bauphysik.
Außerdem ist er Dozent in der Weiterbildung von Energieeffizienz-Experten. Ein Thema dort sind Lebenszyklusanalysen: Sie erfassen die Umweltwirkungen eines Gebäudes systematisch, damit schon in der Planung bessere Entscheidungen möglich werden.
In der Lehre verbindet er damit zwei Blickwinkel: die Anforderungen aus echten Bauprojekten und die Grundlagen, die angehende Ingenieurinnen und Ingenieure brauchen.
Was man einem Gebäude nicht ansieht
Carikcioglus Werdegang steht für einen Wandel in der Baubranche. Handwerkliches Können, konstruktive Erfahrung und Wissen über Baustoffe bleiben unverzichtbar. Gleichzeitig werden digitale Planung, Ökobilanzen und Nachhaltigkeitsstandards immer wichtiger.
Die Arbeit der Bauphysik bleibt dabei oft unsichtbar. Man sieht einem Haus nicht an, wie sorgfältig sein Feuchteschutz berechnet wurde, wie gut der Schallschutz funktioniert oder welche Umweltwirkungen bei der Materialwahl bedacht wurden. Und doch entscheidet genau das mit darüber, wie dauerhaft, komfortabel und nachhaltig ein Gebäude ist.
Im Porträt
Koray Carikcioglu
Bauphysiker, Geschäftsführer der werkgruppe neckar bauphysik GmbH und Lehrbeauftragter an der DHBW Mosbach
