Die Burg Rodenstein liegt versteckt im Wald über einem Seitental der Gersprenz, rund dreieinhalb Kilometer westlich von Fränkisch-Crumbach. Von der Burg der Herren von Rodenstein stehen noch zahlreiche Mauern und Türme, die zeigen, wie groß die Anlage einmal war. Bekannt ist sie vor allem als Sagenburg: Hier soll der Rodensteiner mit seinem Wilden Heer durch die Lüfte ziehen. Die Ruine gehört der Gemeinde und ist frei zugänglich, direkt unterhalb liegt das Hofgut Rodenstein mit Restaurant.
Rodenstein ist eine Hangburg auf 322 Metern Höhe. Die Kernburg war ein rechteckiger Bau mit abgerundeten Ecken, zur Bergseite hin wie eine Schildmauer verstärkt. Einen Bergfried hatte sie nicht. In der Nordecke stand der erste Palas, im 14. Jahrhundert kam ein zweiter hinzu. Gebaut wurde vor allem aus Granit, für Werksteine nahm man Odenwälder Sandstein.
Um die Kernburg zieht sich eine Ringmauer mit mehreren Türmen. Gut erhalten ist der Mühlturm, an dessen Außenseite ein zugemauertes Tor zu sehen ist: Der Eingang wurde später von der Berg- auf die Talseite verlegt, wo heute das Tor liegt. Ob im Turm eine Wassermühle oder eher eine Handmühle lief, ist nicht geklärt. Im 16. Jahrhundert kamen weitere Mauerabschnitte und ein Zwinger im Süden dazu. Am Fahrweg nach Laudenau zeigt eine Schautafel, wie der Zeichner Valentin Wagner die Burg 1634 sah.
Gebaut haben die Burg Mitte des 13. Jahrhunderts die Brüder Rudolf und Friedrich von Crumbach. Nach dem Einzug nannten sich die Herren „von Rodenstein“. Woher der Name kommt, ist umstritten: vom roten Sandstein, der hier zwischen dem Granit vorkommt, oder von den Rodungen für Burg und Umland. Ab 1346 besaßen auch die Grafen von Katzenelnbogen Anteile, mit ihrem Aussterben kamen diese 1479 an die Landgrafschaft Hessen.
Durch Krieg zerstört wurde Rodenstein nie. Eine Zeichnung von Valentin Wagner zeigt 1634 noch eine schlossartige Anlage. Ein Jahr später starb der letzte Bewohner, Adam von Rodenstein, mit seiner ganzen Familie an der Pest. Als der letzte Rodensteiner Georg Friedrich 1650 aus Frankreich zurückkam, fand er die Burg unbewohnbar vor. Danach diente sie als Steinbruch, mit ihren Steinen wurde unter anderem das Pretlacksche Schloss in Fränkisch-Crumbach gebaut, das heutige Rathaus. In den 1880er-Jahren sicherte der Odenwaldklub die Ruine, zwischen 1961 und 1989 wurde sie mehrfach restauriert. Seit 2020 gehört sie der Gemeinde.
Die Sage kam im frühen 18. Jahrhundert auf und greift das alte Motiv der Wilden Jagd auf. Ein kriegslüsterner Ritter hatte seine schwangere Frau zurückgelassen, sterbend verfluchte sie ihn: Fortan muss er bei drohendem Krieg mit seinen geisterhaften Gefolgsleuten die Lebenden warnen. Der Zug soll von der Ruine Schnellerts über einen Bauernhof in Nieder-Kainsbach bis zum Rodenstein brausen und bei Kriegsende zurückkehren. Vermeintliche Zeugenaussagen dazu ließ der Graf von Erbach zwischen 1742 und 1748 in den Reichenberger Protokollen festhalten, das letzte Erscheinen ist für 1914 belegt.
Zuerst verband man den Geisterreiter mit dem Schnellerts. Im späten 18. Jahrhundert ging die Sage auf das Geschlecht der Rodensteiner über, und die besser erhaltene Ruine wurde zu ihrer Bühne. Im ganzen deutschen Sprachraum bekannt machten den „Herrn von Rodenstein“ im 19. Jahrhundert die Lieder von Joseph Victor von Scheffel, in denen er die drei Dörfer Gersprenz, Pfaffen-Beerfurth und Reichelsheim vertrinkt. Werner Bergengruen sammelte die Geschichten später im „Buch Rodenstein“.
Rund um die Ruine haben das Rodensteinmuseum und der Geo-Naturpark ein Freiluftmuseum angelegt. An Tafeln auf dem Pfad der Sagen rufst du per QR-Code Hörstücke zu den Rodensteinsagen ab, dazu Videos einer virtuellen Rekonstruktion der Burg. Für Kinder gibt es einen eigenen Rundweg mit Rodenstein-Kindergeschichten. Der Pfad folgt den markierten Wegen S2 und FC2 und einem Teil des Rundwegs 6 zwischen der Laudenauer Freiheit und dem Ortskern von Fränkisch-Crumbach.
Der Rodenstein-Rundweg FC1 ist 32 Kilometer lang und in zwei Runden geteilt: Die östliche führt zum Schnellerts, die westliche mit 18,5 Kilometern zum Rodenstein. Start ist der Parkplatz in der Ortsmitte von Fränkisch-Crumbach nahe dem Rodensteinmuseum. Am Aussichtspunkt „12 Apostel“ auf der Nonroder Höhe reicht der Blick bis Frankfurt, später führt der Weg mitten durch die Ruine und durch das Tor wieder hinaus. Kürzer ist der vom Odenwaldklub zertifizierte Rundweg S2 „Rund um die Sagenburg“ mit 16,7 Kilometern in rund fünf Stunden, ebenfalls ab der Dorfmitte. Etwa 750 Meter südwestlich der Burg liegt der Wildweibchenstein, eine Felsformation, um die sich ebenfalls Sagen ranken.
Das Rodensteinmuseum bietet Führungen durch die Ruine an: für Erwachsene zu Baugeschichte und Sagen, für Kinder als Erlebnisführung mit Schatzsuche, jeweils etwa 60 Minuten. Die Erwachsenenführung kostet bis fünf Personen 25 Euro, jede weitere Person 5 Euro, Kinderführungen auf Anfrage (Stand Oktober 2026). Buchen kannst du beim Vorstand des Vereins unter 06164 55257. Das Museum selbst in Fränkisch-Crumbach ist für Erneuerungsarbeiten geschlossen.
Direkt unterhalb der Ruine liegt seit 1848 das Hofgut Rodenstein. Das heutige Fachwerkhaus entstand nach einem Brand 1910 neu, der Stein mit der Jahreszahl 1593 über dem Portal stammt aus der Burg. Das Restaurant hat donnerstags ab 17 Uhr (April bis Dezember) sowie freitags, samstags und sonntags ab 11 Uhr geöffnet, vom 12. Juni bis Ende August freitags erst ab 17 Uhr (Stand Oktober 2026). Hunde sind im Restaurant willkommen, spontan reservieren kannst du unter 06164 1087.
Mit dem Auto fährst du nach Fränkisch-Crumbach, an der Kirche vorbei und auf der Rodensteiner Straße durch den Ort, danach folgst du den Schildern zum Hofgut Rodenstein. Navigationsgeräte finden das Hofgut im Wald oft nicht, besser suchst du in Google Maps oder Apple Karten nach „Hofgut Rodenstein“. Unterhalb des Hofguts liegen zwei große Parkplätze, im Hof selbst darfst du nur be- und entladen. Weitere Startpunkte mit Wandertafeln sind der Naturpark-Parkplatz Rodenstein und der Naturpark-Parkplatz Freiheit.
Mit dem Bus erreichst du Fränkisch-Crumbach mit der Linie X69 ab Darmstadt Luisenplatz oder mit der Linie 693 ab Bahnhof Reinheim (Fahrplan 2025/2026). Vom Ort führen der Pfad der Sagen und die Rundwege FC1 und S2 zur Ruine.
Stand:
Ja. Die Ruine gehört seit 2020 der Gemeinde Fränkisch-Crumbach und bleibt ein öffentlicher Raum. Der Rundweg FC1 führt direkt durch die Anlage. Führungen bietet das Rodensteinmuseum nach Vereinbarung an.
Nach der Sage aus dem frühen 18. Jahrhundert wurde ein kriegslüsterner Ritter von seiner sterbenden Frau verflucht. Seitdem muss er bei drohendem Krieg mit seinem Geisterheer die Menschen warnen. Der Zug soll vom Schnellerts zum Rodenstein brausen und bei Kriegsende zurückkehren. Das letzte Erscheinen ist für 1914 belegt.
Am einfachsten am Hofgut Rodenstein direkt unter der Ruine: Unterhalb des Hauses liegen zwei große Parkplätze, im Hof darfst du nur be- und entladen. Weil Navigationsgeräte das Hofgut oft nicht finden, suchst du am besten in Google Maps oder Apple Karten nach „Hofgut Rodenstein“.
Ja, beim Rodensteinmuseum. Die Burgführung für Erwachsene dauert etwa 60 Minuten und erzählt von Baugeschichte und Sagen, für Kinder gibt es eine Erlebnisführung mit Schatzsuche. Bis fünf Personen kostet die Erwachsenenführung 25 Euro, jede weitere Person 5 Euro, Kinderführungen auf Anfrage. Buchen kannst du beim Vereinsvorstand unter 06164 55257.
Ja, im Hofgut Rodenstein direkt unterhalb der Ruine. Das Restaurant hat donnerstags ab 17 Uhr (April bis Dezember) und freitags bis sonntags ab 11 Uhr geöffnet, von Mitte Juni bis Ende August freitags erst ab 17 Uhr. Hunde sind willkommen. Spontane Reservierungen gehen nur telefonisch unter 06164 1087.
Die westliche Runde des Rodenstein-Rundwegs FC1: 18,5 Kilometer ab der Ortsmitte von Fränkisch-Crumbach, mit Fernsicht am Aussichtspunkt „12 Apostel“ und mitten durch die Ruine. Hörstationen zu den Sagen bietet der Pfad der Sagen, eine Wandertafel dazu steht unter anderem am Parkplatz des Hofguts.
Kategorie
Wandern
An der Burgruine, 64407 Fränkisch-Crumbach
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