Im Nibelungenlied stirbt Siegfried auf einer Jagd: Als er sich an einer kühlen Quelle zum Trinken bückt, stößt ihm Hagen von Tronje den Speer in die einzige verwundbare Stelle an der Schulter. Einen historisch belegten Tatort gibt es nicht, denn Siegfried ist eine Gestalt der Heldensage. Der Siegfriedbrunnen bei Grasellenbach ist aber die bekannteste von mehreren Quellen, die diese Szene für sich beanspruchen. Er liegt mitten im Wald am Hang des Spessartkopfs, etwa 1,5 Kilometer südöstlich des Ortskerns von Gras-Ellenbach, und ist jederzeit frei zugänglich.
Das Nibelungenlied beschreibt keinen Ort, den man eindeutig auf einer Karte wiederfindet. Je nach Handschrift reitet die Jagdgesellschaft von Worms über den Rhein in den Wasgenwald oder in den Odenwald. Die Fassung C fügt hinzu, der Brunnen liege bei einem Dorf namens Otenhaim vor dem Odenwald und fließe noch immer. Aus solchen Angaben haben mehrere Orte ihren Anspruch abgeleitet.
Im Odenwald sind das neben Grasellenbach der Lindelbrunnen zwischen Hüttenthal und Hiltersklingen im Mossautal, der Nibelungenbrunnen im sogenannten Teufelsloch kurz hinter Lindenfels in Richtung Reichelsheim, eine Siegfriedsquelle im Felsenmeer bei Lautertal-Reichenbach und die Zittenfeldener Quelle bei Amorbach. Dort entspringt das Wasser einer kleinen Höhle im Buntsandstein und stürzt gleich einen etwa drei Meter hohen Wasserfall hinab; der Geo-Naturpark hat die Quelle 2015 zum Geotop des Jahres gekürt. Sie liegt am Nibelungensteig kurz vor Amorbach und ist vom Parkplatz Morretal in etwa 20 Minuten zu Fuß erreichbar. In der Rheinebene steht der Heppenheimer Siegfriedbrunnen an der Kreuzung Mozartstraße und Tiergartenstraße. Die Stadt Heppenheim argumentiert mit der Entfernung: Im Lied wird Siegfrieds Leichnam über Nacht nach Worms gebracht, und dazu passen nach ihrer Ansicht die Wege von ihrer Quelle aus am besten. Im Kraichgau beruft sich Odenheim, heute ein Stadtteil von Östringen, mit seinem Siegfriedsbrunnen auf den Ortsnamen Otenhaim.
Entscheiden lässt sich die Frage nicht. Das mittelalterliche Epos ist Dichtung, die Brunnen sind Erinnerungsorte und keine nachgewiesenen Tatorte. Grasellenbach hat den Vorteil, dass sich die Sage hier mit einer Waldwanderung verbinden lässt.
Seinen Ruf verdankt der Brunnen dem Darmstädter Geheimen Staatsrat Johann Friedrich Knapp. Er suchte 1844 anhand der Angaben im Nibelungenlied nach der Quelle und stieß auf diese, die im Volksmund schon lange Siegfriedbrunnen hieß. Den nahen Spessartkopf deutete er als den im Lied genannten Spehtsharte, in den Hagen den Wein hatte schicken lassen, damit die Jäger an der Quelle trinken mussten. Gegen Grasellenbach spricht vor allem der weite Weg nach Worms, den die Jagdgesellschaft mit dem Toten in einer Nacht zurückgelegt haben soll.
Das Wasser tritt aus einem flachen Stein, den eine Wappenlilie ziert. Eine in einen Steinblock gehauene Inschrift weist die Stelle als „Siegfrieds-Brunnen“ aus. Daneben steht seit 1851 ein Steinkreuz, in dessen hohen Sockel ein Abschnitt des Nibelungenliedes in mittelhochdeutscher Sprache gemeißelt ist. Am Brunnen endet der Geopark-Pfad Nibelungenweg, dessen Tafeln die Sage unterwegs in chronologischer Reihenfolge erzählen. Der Platz selbst ist als Rastplatz für Wanderer eingerichtet.
Die Quelle ist schwächer geworden. Nachdem der alte Laubwald rundum aus forstwirtschaftlichen Gründen durch schneller wachsendes Nadelholz ersetzt worden war, veränderte sich das Grundwasser, und die Quelle verlor an Kraft. Als Trinkwasser ist das Wasser in den offiziellen Beschreibungen nicht ausgewiesen; nimm für die Tour eigenes Wasser mit.
Als Ausgangspunkt nennt der Geo-Naturpark den Naturpark-Parkplatz Spessartkopf, der am Siegfriedring im Ortsteil Wahlen liegt. Von dort führt der Rundwanderweg 6, der Spessartkopf-Weg, an der Quelle vorbei, sodass du den Besuch als kleine Runde gehen kannst.
Aus dem Ortskern von Gras-Ellenbach, etwa von der Bushaltestelle und dem Parkplatz an der Nibelungenhalle, folgst du dem Nibelungensteig mit der Markierung N. Er führt durch den Wald bergauf zum Brunnen, die Strecke beträgt rund 1,5 Kilometer. Wanderkarten bekommst du vorher in der Tourist-Information in der Nibelungenhalle.
Mehr Sage unterwegs bietet der Geopark-Pfad Nibelungenweg. Er beginnt nahe dem Parkplatz Hammelbach Felsenquelle und führt über 4,4 Kilometer, angegeben mit rund zwei Stunden Gehzeit, entlang des Nibelungensteigs durch Wald und Wiesen zum Brunnen. Der Pfad ist keine Runde; für den Rückweg wählst du andere Wanderwege, die Wanderkarte 9 „Der Überwald“ des Geo-Naturparks zeigt die Möglichkeiten.
Für längere Touren eignet sich der Erlebniswanderweg Fürth-Grasellenbach mit 15,7 Kilometern, 421 Höhenmetern im Anstieg und knapp fünf Stunden Gehzeit, der ebenfalls am Siegfriedbrunnen vorbeiführt. Auf dem Nibelungensteig ist der Brunnen die erste Station der dritten Etappe von Grasellenbach nach Erbach-Bullau. Danach folgen das Moor Rotes Wasser, der Marbach-Stausee und das Himbächel-Viadukt; mit fast 28 Kilometern ist das eine lange Tagesetappe.
Für alle Varianten sind feste Schuhe sinnvoll, denn der Brunnen liegt an einem Waldweg.
Mit dem Auto fährst du von der A 5, Abfahrt Heppenheim, über Fürth nach Grasellenbach. Für den direkten Weg zum Brunnen parkst du am Naturpark-Parkplatz Spessartkopf am Siegfriedring in Wahlen. Wenn du ab Ortskern gehen möchtest, nutzt du den Parkplatz an der Nibelungenhalle, Am Kurpark 1, mit 42 Stellplätzen.
Mit Bus und Bahn fährst du bis zur Haltestelle Gras-Ellenbach, Nibelungenhalle, die direkt am Nibelungensteig liegt. Dort halten die VRN-Linien 660 von und nach Heppenheim, 681 von und nach Weinheim über das Gorxheimertal und 697 zwischen Wald-Michelbach und Fürth. Die Linie 45 verbindet Grasellenbach mit Mossautal und Erbach; Fahrten als Rufbus meldest du vorher unter 06061 979977 an. Bahnreisende steigen in Heppenheim oder Weinheim in den Bus um. Von der Haltestelle gehst du rund 1,5 Kilometer auf dem Nibelungensteig zum Brunnen.
Stand:
Im Nibelungenlied tötet Hagen Siegfried auf einer Jagd mit dem Speer, als er sich an einer Quelle zum Trinken bückt. Einen historischen Tatort gibt es nicht. Mehrere Orte beanspruchen die Quelle: am bekanntesten der Siegfriedbrunnen bei Grasellenbach, außerdem unter anderem der Lindelbrunnen im Mossautal, der Nibelungenbrunnen bei Lindenfels, die Zittenfeldener Quelle bei Amorbach, der Siegfriedbrunnen in Heppenheim und der Siegfriedsbrunnen in Odenheim bei Östringen.
Belegen lässt sich das nicht. Der Anspruch geht auf den Darmstädter Staatsrat Johann Friedrich Knapp zurück, der die Quelle 1844 mit dem Nibelungenlied in Verbindung brachte. Heppenheim hält seinen eigenen Siegfriedbrunnen für passender, weil die Entfernung nach Worms besser zur Erzählung passt.
Entweder vom Naturpark-Parkplatz Spessartkopf in Wahlen über den Rundwanderweg 6 oder aus dem Ortskern von Gras-Ellenbach rund 1,5 Kilometer bergauf auf dem Nibelungensteig (Markierung N). Der Geopark-Pfad Nibelungenweg führt ab dem Parkplatz Hammelbach Felsenquelle über 4,4 Kilometer zum Brunnen.
Als Trinkwasser ist es in den offiziellen Beschreibungen nicht ausgewiesen. Die Quelle hat an Kraft verloren, seit der Laubwald ringsum durch Nadelholz ersetzt wurde. Nimm für die Wanderung eigenes Wasser mit.
Bis in den Ort: Die Haltestelle Gras-Ellenbach, Nibelungenhalle liegt direkt am Nibelungensteig. Dort halten die VRN-Linien 660, 681 und 697 sowie die teils als Rufbus fahrende Linie 45. Von der Haltestelle gehst du rund 1,5 Kilometer zu Fuß bergauf.
Eine in einen Steinblock gehauene Inschrift „Siegfrieds-Brunnen“, der Quellstein mit Wappenlilie und ein Steinkreuz von 1851. In seinen hohen Sockel ist ein Abschnitt des Nibelungenliedes in mittelhochdeutscher Sprache gemeißelt.
Kategorie
Natur
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