Ein Schoppen aus dem eigenen Keller des Winzers, dazu Hausmacher Vesper, Flammkuchen oder ein Schnitzel: Häckerwirtschaften gehören am Main zwischen Miltenberg und Erlenbach fest zum Jahreslauf. Allein in Bürgstadt wechseln sich 2026 neun Betriebe so ab, dass von Januar bis Anfang Dezember fast immer eine Häcke offen hat. An der Hessischen Bergstraße und rund um Groß-Umstadt heißen die saisonalen Ausschänke Straußwirtschaften, in Württemberg Besen. Dieser Guide zeigt, wo du die aktuellen Häckerkalender findest, welche Betriebe im Herbst und Advent 2026 öffnen und was du vor dem Besuch wissen solltest.
Das Wichtigste vor dem Besuch
| Gut zu wissen | Darauf kannst du dich einstellen |
|---|---|
| Häcke, Strauß, Besen | Drei Namen für dasselbe Prinzip: Winzer schenken für begrenzte Zeit eigenen Wein aus. Häcke sagt man in Franken, Straußwirtschaft in Hessen und Baden, Besen in Württemberg. |
| Die meisten Häcken | Am Main in Bürgstadt, Großheubach, Klingenberg und Erlenbach; Straußwirtschaften in Heppenheim, Bensheim-Gronau und Groß-Umstadt |
| Öffnungszeiten | In Churfranken meist ein bis zwei Wochen am Stück, oft täglich ab 11.30 oder 12 Uhr; an der Bergstraße eher an Wochenenden oder ab dem späten Nachmittag |
| Termine finden | Häckerkalender der Gemeinden Bürgstadt und Großheubach, Weinkalender von Churfranken, WeinWegWeiser für Groß-Umstadt |
| Auf dem Tisch | Eigener Wein oder Apfelwein, dazu Vesper und einfache warme Gerichte |
| Mitnehmen | Bargeld und eine Idee für den Heimweg mit Bus und Bahn |
Wo im Herbst ausgeschenkt wird
Häcken und Straußwirtschaften im Herbst und Advent 2026
Bürgstadt und Großheubach
Rund um Miltenberg wechseln sich die Winzer mit ihren Häcken fast das ganze Jahr ab. Diese Betriebe öffnen noch bis Dezember 2026.
Bürgstadt, Freudenberger Straße 7
Weingut Neuberger
Häckerwirtschaft mit eigenen Weinen und deftigem Vesper. Im Sommer sitzt du im Innenhof, im Winter in der Häckerstube des historischen Fachwerkhauses.
- Häckerzeit 2026
- 1. bis 7. Dezember, täglich ab 11.30 Uhr
Während der Häckerzeit öffnet die Vinothek schon um 10 Uhr.
Bürgstadt, Bainweg 1 (Main Vinotel)
Weingut Helmstetter
Häckerstube mit Karte von Oma Elses Hackfleischküchlein über Flammkuchen bis zum Schnitzel aus der Pfanne.
- Häckerzeit 2026
- 3. bis 15. November, täglich 12 bis 23 Uhr
Montags ist Ruhetag.
Bürgstadt, Freudenberger Straße 73
Weingut Stich
Gutsausschank „Stich im Löwen“ mit den Weinen des Hauses.
- Häckerzeit 2026
- 17. bis 30. November, täglich ab 11.30 Uhr
Vorher gibt es am 23. und 24. Oktober ein Burgunder-Tasting von 14 bis 20 Uhr und am 6. und 7. November „Glüh Dich An!“ ab 11.30 Uhr.
Großheubach, Mühlgasse 12
Weingut Kremer
Heckenwirtschaft, die das Weingut mehrmals im Jahr öffnet, im Herbst als „Herbsthecke“.
- Häckerzeit 2026
- 4. bis 15. November, täglich ab 11.30 Uhr
Vom 20. bis 22. November folgt an derselben Adresse das Weihnachtsdorf.
Klingenberg und Erlenbach
Mainabwärts wachsen die Reben an steilen Buntsandsteinhängen; Klingenberg ist als Rotweinstadt bekannt.
Klingenberg, Schenkenstraße 8–10
Bio-Weingut Hofmann-Herkert
Häcke in der Weinstube eines Bio-Weinguts.
- Häckerzeiten 2026
- 21. bis 25. Oktober und 25. bis 29. November
Aktuelle Uhrzeiten stehen auf der Terminseite des Weinguts.
Erlenbach-Mechenhard, Mechenharder Straße 193
Mechenharder Woischeuer
Häckerwirtschaft in einer umgebauten Scheune auf dem Familienhof. Dieter Zöller bewirtschaftet 2,5 Hektar Reben in den Steillagen von Erlenbach und Klingenberg.
- Häckerzeit 2026
- 30. Oktober bis 15. November, täglich ab 11 Uhr
Dazu gibt es „Häckerschmankerl“ zum Wein.
Bergstraße und Groß-Umstadt
Auf hessischer Seite heißen die saisonalen Ausschänke Straußwirtschaften. Sie öffnen meist am Wochenende oder ab dem späten Nachmittag.
Groß-Umstadt, Riegelgartenweg 1
vinum autmundis
Straußwirtschaft der Odenwälder Winzergenossenschaft mit Federweißem, eigenen Weinen und regionalen Gerichten; freitags gibt es zusätzlich ein wechselndes Gericht.
- Straußwirtschaft 2026
- 26. September bis 7. November
- Geöffnet
- Do bis Sa 16 bis 22 Uhr, sonn- und feiertags 14 bis 20 Uhr, mittwochs After-Work-Party
Reservierungen sind willkommen. Zum Abschluss feiert die Genossenschaft am 7. November die „Letzt' Bütt“.
Heppenheim, Außerhalb 74
Weinbau Koob
Familienbetrieb mit Direktvermarktung und Straußwirtschaft, geöffnet an den Herbstwochenenden.
- Straußwirtschaft 2026
- 3. Oktober bis 29. November
- Geöffnet
- Sa 17 bis 22 Uhr, So 14.30 bis 20 Uhr
Das Weingut empfiehlt eine Reservierung.
Heppenheim, alte Vinothek der Bergsträßer Winzer
Starker Borsch
Straußwirtschaft in der alten Vinothek der Winzergenossenschaft.
- Letzte Termine 2026
- 22., 23., 24., 29., 30. und 31. Oktober, jeweils ab 18 Uhr
Nur Barzahlung.
Bensheim-Gronau, Märkerwaldstraße 124
Weinbau Dingeldey
Straußwirtschaft in Gronau, die an einzelnen Wochenenden öffnet.
- Nächster Termin
- 23. bis 25. Oktober 2026
- Geöffnet
- werktags ab 16 Uhr, sonntags ab 13 Uhr
Vom 12. bis 15. November gibt es Gänsekeule, nur mit Vorreservierung.
Häcke, Straußwirtschaft, Besen: die Regeln im Vergleich
In allen drei Ländern darf ein Winzer ohne Gaststättenerlaubnis ausschenken, wenn Wein oder Apfelwein aus selbst erzeugten Früchten stammt. Überall muss er die Straußwirtschaft mindestens zwei Wochen vorher bei der Behörde anzeigen. In den Details unterscheiden sich die Länder.
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| Land | Üblicher Name | Höchstdauer ohne Erlaubnis | Sitzplätze | Ausschank und Küche |
|---|---|---|---|---|
| Bayern (Churfranken) | Häcke, Häckerwirtschaft, Hecke | 4 Monate im Jahr, am Stück oder in 2 Abschnitten | höchstens 40 | eigener Wein oder Apfelwein; kalte oder einfach zubereitete warme Speisen |
| Hessen (Bergstraße, Groß-Umstadt) | Straußwirtschaft | 4 Monate im Jahr, am Stück oder in 2 Abschnitten | keine feste Zahl im Gesetz | eigener Wein oder Apfelwein |
| Baden-Württemberg (Badische Bergstraße, Neckartal) | Straußwirtschaft, Besen | 4 Monate im Jahr in höchstens 2 Abschnitten | höchstens 40 | eigener Wein oder Apfelwein; kalte und einfach zubereitete warme Speisen |
Wein dort trinken, wo er wächst
Eine Häcke ist keine Weinstube mit festen Öffnungszeiten. Der Winzer öffnet Hof, Stube oder Scheune für einige Tage oder Wochen, schenkt den eigenen Wein aus und stellt Vesper und einfache warme Gerichte dazu. Danach ist wieder Pause, bis der nächste Termin im Kalender steht.
Am Main zwischen Miltenberg und Erlenbach ist diese Form der Einkehr besonders dicht. Churfranken ist für seinen Rotwein bekannt, der Fränkische Rotwein Wanderweg führt von Großostheim bis nach Bürgstadt. In Bürgstadt und Großheubach wechseln sich die Betriebe so ab, dass in den meisten Wochen des Jahres mindestens eine Häcke geöffnet hat. An der Hessischen Bergstraße und auf der Odenwälder Weininsel rund um Groß-Umstadt ist das Netz dünner. Dort öffnen die Straußwirtschaften eher an Wochenenden, dafür oft über mehrere Wochen.
Häcke, Strauß oder Besen?
Hinter den drei Namen steckt dasselbe Prinzip. In Franken heißt der Winzer traditionell Häcker, daher Häcke oder Häckerwirtschaft; in Großheubach sprechen manche Betriebe auch von der Hecke. In Hessen und Baden ist von der Straußwirtschaft die Rede, in Württemberg vom Besen. Ein Zweig, Strauß, Kranz oder Besen am Haus zeigt traditionell an, dass geöffnet ist.
Rechtlich heißt der Ausschank in allen drei Ländern Straußwirtschaft. Ohne Gaststättenerlaubnis darf ein Winzer höchstens vier Monate im Jahr eigenen Wein oder Apfelwein ausschenken und muss das mindestens zwei Wochen vorher bei der Behörde anzeigen. Bayern und Baden-Württemberg begrenzen zusätzlich die Sitzplätze auf 40 und erlauben nur kalte oder einfach zubereitete warme Speisen. Baden-Württemberg hat diese Regeln zum 1. Januar 2026 in ein neues Landesgaststättengesetz übernommen.
Für dich als Gast heißt das: kleine Räume, eine kurze Karte und Wein aus dem eigenen Keller. Weil die Plätze begrenzt sind, lohnt sich für Gruppen ein Anruf vorab.
Churfranken: die Häckerorte am Main
Die meisten Häcken findest du in Bürgstadt, Großheubach, Klingenberg und Erlenbach. Bürgstadt reiht seine neun Häckerbetriebe überwiegend entlang der Freudenberger Straße auf, Großheubach liegt auf der anderen Mainseite und kommt im Kalender auf noch mehr Termine. Mainabwärts folgen Klingenberg mit den Ortsteilen Trennfurt und Röllfeld sowie Erlenbach mit Mechenhard.
Eine Häcke öffnet meist für eine bis zwei Wochen, viele täglich ab 11.30 oder 12 Uhr. Einige Betriebe öffnen werktags erst am Nachmittag und am Wochenende ab mittags, manche haben montags Ruhetag. Im Herbst und Advent kommen eigene Formate dazu, etwa der „Adventsrausch“ beim Weingut Meisenzahl in Bürgstadt vom 4. bis 6. Dezember oder das Weihnachtsdorf beim Weingut Kremer in Großheubach vom 20. bis 22. November. Am 15. November lädt Bürgstadt zum Weinmarkt ins Rathaus.
Miltenberg ist der beste Ausgangspunkt: Bahnhof, Altstadt und Mildenburg liegen nah beieinander, Bürgstadt grenzt direkt an. Im Advent lässt sich eine Häcke gut mit dem Weihnachtsmarkt Miltenberg am 4. bis 6., 11. bis 13. und 18. bis 20. Dezember verbinden.
So findest du den aktuellen Häckerkalender
Für Bürgstadt ist der Häckerkalender 2026 der Gemeinde die schnellste Übersicht: alle Betriebe, Adressen und Zeiträume des Jahres auf zwei Seiten. Großheubach veröffentlicht seine Termine auf der Häckerkalender-Seite der Gemeinde. Am vollständigsten sind dort die verlinkten PDFs, und die Termine für 2027 stehen bereits online. Erlenbach stellt die Häckerbetriebe der Stadt auf einer eigenen Seite vor.
Alle Orte von Churfranken zusammen, von Klingenberg und Erlenbach bis Wörth und Großwallstadt, stehen im Weinkalender 2026. Der Verein Churfranken gibt ihn jedes Jahr heraus, mit Häckerterminen nach Orten und den Weinfesten des Jahres.
Gedruckte Kalender entstehen Monate im Voraus. Änderungen stehen zuerst auf der Website des Weinguts oder an der Hoftür. Weichen Kalender und Betrieb voneinander ab, gilt die Angabe des Betriebs.
Straußwirtschaften an der Hessischen Bergstraße und in Groß-Umstadt
In Heppenheim öffnet Weinbau Koob seine Straußwirtschaft an den Wochenenden bis 29. November. Die Bergsträßer Winzer betreiben in ihrer alten Vinothek die Straußwirtschaft „Starker Borsch“, die im Herbst an einzelnen Donnerstagen bis Samstagen ab 18 Uhr öffnet. Zum Probieren und Einkaufen ist die Vinothek der Genossenschaft im VINIVERSUM montags bis samstags von 9 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. In Bensheim-Gronau gehört die Straußwirtschaft zu Weinbau Dingeldey in der Märkerwaldstraße, nicht zum Weingut Volker Dingeldey in der Hintergasse.
Für Groß-Umstadt gibt der Umstädter Weinbauverein mit dem WeinWegWeiser 2026 eine gemeinsame Übersicht heraus, mit den Ausschankzeiten aller Straußwirtschaften im Jahr. Neben vinum autmundis schenkt das Weingut Lohmühle im Wächtersbachtal noch bis 25. Oktober Federweißen und Wein aus, montags bis freitags von 16 bis 20 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen ab 14 Uhr. Weinbau Emmerich öffnet seine Straußwirtschaft an einzelnen Abenden in der Woche und feiert am 29. November das Saisonfinale. Feste wie das Glühweinfest im Weinberg stehen im Terminkalender des Weinbauvereins.
In Hessen darf eine Straußwirtschaft auch selbst gekelterten Apfelwein ausschenken. Apfelwein aus eigener Kelterung bekommst du im Odenwald meist in Gasthäusern; Adressen dazu stehen im Kulinarik-Guide.
Badische Bergstraße und Badischer Odenwald
Auf badischer Seite gibt es keine gemeinsame Übersicht der Straußwirtschaften. Zwischen Weinheim und Heidelberg schenken einzelne Weingüter saisonal aus, die Termine stehen meist nur auf der eigenen Website. Schriesheim führt im Gastgeberverzeichnis der Stadt eine eigene Kategorie für Straußwirtschaften. Zum Mathaisemarkt öffnen die Schriesheimer Winzer eigene Besenwirtschaften.
Im Neckar-Odenwald-Kreis nutzt die Eulenschmiede in Schefflenz den Namen Besenwirtschaft für einzelne Wochenenden mit wechselnder Odenwälder Landküche in einem umgebauten Kuhstall. Tische kannst du dort nicht reservieren.
Klassische Besen im württembergischen Sinn findest du neckaraufwärts in Gundelsheim, das bereits zum Landkreis Heilbronn gehört. Die Stadt nennt auf ihrer Gastronomieseite vier Besenwirtschaften. Die Kuhberg-Schänke im Ortsteil Bachenau baut ihre Weine selbst aus und öffnet 2026 noch vom 21. bis 25. Oktober, vom 18. bis 22. November und zum Weihnachtsbesen vom 27. bis 30. Dezember, jeweils ab 15 Uhr. Auf der anderen Neckarseite liegt die Burg Guttenberg.
Vor dem Besuch: Termin, Bargeld, Heimweg
Prüfe den Termin kurz vor der Fahrt auf der Website des Betriebs. Hinter den meisten Häcken und Straußwirtschaften stehen kleine Familienbetriebe, und manchmal ändern sich Tage oder Uhrzeiten kurzfristig.
Nimm Bargeld mit. Der Starke Borsch in Heppenheim nimmt ausschließlich Bargeld, und auch in vielen anderen kleinen Ausschänken ist Kartenzahlung nicht selbstverständlich. Ob du reservieren kannst, ist sehr unterschiedlich: vinum autmundis und Weinbau Koob nehmen Reservierungen an, Weinbau Dingeldey verlangt sie für das Gänseessen, die Eulenschmiede nimmt keine.
Wer Wein trinkt, plant den Heimweg am besten mit Bus und Bahn. Am Main fährt die Westfrankenbahn zwischen Aschaffenburg und Miltenberg, unter anderem mit Halten in Erlenbach, Klingenberg, Kleinheubach und Miltenberg. Bürgstadt und Großheubach haben keinen eigenen Bahnhalt: Nach Bürgstadt sind es vom Bahnhof Miltenberg je nach Betrieb rund zwei bis drei Kilometer, nach Großheubach vom Bahnhof Kleinheubach über den Main etwa zweieinhalb Kilometer. Von Amorbach fährt die Madonnenlandbahn nach Miltenberg. An der Bergstraße liegen Heppenheim und Bensheim an der Main-Neckar-Bahn, nach Gronau fährt ein Bus ab Bensheim. Groß-Umstadt erreichst du mit der Odenwaldbahn. Prüfe vor allem die letzten Verbindungen am Abend.
Wenn gerade keine Häcke offen hat
Zwischen den Häckerzeiten verkaufen viele Weingüter ihre Weine in der Vinothek oder ab Hof. Weinfeste wie der Bergsträßer Weinmarkt in Heppenheim oder das Bergsträßer Winzerfest in Bensheim bringen viele Betriebe an einem Ort zusammen. Weitere Termine findest du in der Kategorie Weinfeste.
Im November passt eine Straußwirtschaft gut zu einem Gänseessen; Gasthäuser mit Martinsgans stehen im Guide zum Gänseessen im Odenwald. Regionale Produkte für zu Hause findest du in den Hofläden im Odenwald.
