Der Beerfelder Galgen steht auf dem Galgenberg etwa 500 Meter westlich von Beerfelden, an der Landesstraße nach Airlenbach. Drei rund fünf Meter hohe Säulen aus rotem Sandstein, im Dreieck aufgestellt und oben durch aufliegende Holzbalken verbunden, bilden seit 1597 die Richtstätte der Oberzent. Die Anlage gilt als einer der ältesten und am besten erhaltenen Galgen Deutschlands. Sie ist jederzeit frei zugänglich, ein Parkplatz liegt direkt daneben.
Weil die drei Säulen in einem Dreieck stehen, ist die Richtstätte als dreischläfriger Galgen bekannt. Die Säulen stehen jeweils etwa 4,5 Meter auseinander. Auf ihren Kapitellen liegen bis heute waagerechte Holzbalken von Säule zu Säule, an der Unterseite mit Flacheisen verstärkt. Unter jedem Balken hängen zwei 60 Zentimeter lange Eisenketten, an denen die Schlingen befestigt wurden. So konnten sechs Verurteilte gleichzeitig hingerichtet werden.
Jede Säule steht auf einem würfelförmigen Sockel und besteht aus vier einzelnen Walzen, oben abgeschlossen von einem steinernen Halsring und einem Kapitell. Eisenklammern halten die Teile zusammen, ihre Enden sind mit Blei im Sandstein verankert. Weil Blei Temperaturspannungen ausgleicht, hat dieser Kniff wohl viel zum guten Zustand der Anlage beigetragen. Rund um den Galgen stehen Linden, begrenzt wird der Bezirk von etwa einen Meter hohen, unbearbeiteten Stellsteinen.
Der steinerne Galgen ersetzte 1597 einen Holzgalgen. Er gehörte zum Hochgericht der Oberzent unter der Herrschaft der Grafen von Erbach. 1806 verloren die Grafen durch die Mediatisierung unter Napoleon die Gerichtsbarkeit und damit das Recht, Todesurteile zu verhängen.
Wie viele Menschen hier hingerichtet wurden, ist nicht überliefert: Beim großen Brand von Beerfelden 1810 ging die örtliche Chronik größtenteils verloren. In den Kirchenbüchern ist eine Hinrichtung im Jahr 1746 dokumentiert, die letzte soll 1804 stattgefunden haben.
Dass der Galgen noch steht, ist nicht selbstverständlich. Anordnungen zum Abbau, etwa von Kaiser Joseph II. im Jahr 1788 und aus Darmstadt im Jahr 1816, wurden nie umgesetzt. Vor dem Galgen liegt ein flach in den Boden gesenktes Sandsteinkreuz. Dort sollen die Verurteilten ihre letzte Beichte abgelegt haben.
Der Platz war mit Bedacht gewählt: Der Verurteilte sollte vor seinem Tod noch einmal die Schönheit der Landschaft sehen, und die Richtstätte sollte Vorüberziehende abschrecken. Heute bietet der nahe Aussichtspunkt auf dem Galgenberg einen weiten Rundblick über die Umgebung.
Für den Galgen selbst reicht ein kurzer Halt. Viele nutzen den angrenzenden Parkplatz auch als Ausgangspunkt für längere Wanderungen.
Der Galgen liegt an der Airlenbacher Straße, der L 3120 von Beerfelden Richtung Airlenbach. Direkt angrenzend gibt es einen Parkplatz. Aus dem Ort erreichst du ihn in wenigen Minuten zu Fuß über die sanft ansteigende Landstraße in westlicher Richtung, achte dabei auf den Verkehr.
Beerfelden erreichst du mit mehreren Buslinien, unter anderem mit der Linie 50 zwischen Michelstadt, Erbach, Beerfelden und Eberbach. Sie hält in Beerfelden unter anderem an den Haltestellen Markt und Bahnhof. Mit der Odenwaldbahn fährst du bis Hetzbach und steigst dort in die Linie 50 nach Beerfelden um. Von April bis Oktober pendelt an Wochenenden und hessischen Feiertagen zusätzlich der NaTourBus mit kostenlosem Fahrradtransport, unter anderem zur Haltestelle Beerfelden Bahnhof.
Stand:
Auf dem Galgenberg etwa 500 Meter westlich von Beerfelden an der Airlenbacher Straße, der L 3120 Richtung Airlenbach. Direkt daneben liegt ein Parkplatz.
So heißt ein Galgen mit drei Säulen im Dreieck, die oben durch Balken verbunden sind. Am Beerfelder Galgen hängen unter jedem der drei Holzbalken zwei Eisenketten, sodass sechs Verurteilte gleichzeitig hingerichtet werden konnten.
1597, als Ersatz für einen älteren Holzgalgen. Er gehörte zum Hochgericht der Oberzent unter den Grafen von Erbach.
Die letzte Hinrichtung soll 1804 stattgefunden haben. 1806 verloren die Grafen von Erbach die Gerichtsbarkeit, dokumentiert ist in den Kirchenbüchern nur eine Hinrichtung aus dem Jahr 1746.
Ja, der Galgen ist jederzeit frei zugänglich und kostet keinen Eintritt. Du parkst direkt nebenan oder gehst in wenigen Minuten aus Beerfelden hinauf.
Kategorie
Kultur
Airlenbacher Straße, 64760 Oberzent
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