Burg Wildenberg (Kirchzell)
Kultur

Burg Wildenberg (Kirchzell)

Über dieses Ziel

Im Wald über dem Mudtal bei Kirchzell-Preunschen liegt die Ruine der Burg Wildenberg, die in der Gegend meist Wildenburg heißt. Sie gehört zu den bedeutendsten Burgen der Stauferzeit im Odenwald, weil ungewöhnlich viel romanische und frühgotische Bausubstanz erhalten ist: der Bergfried aus Buckelquadern, der Torturm mit der früheren Burgkapelle und der Palas mit seinen Fensterarkaden. Die Ruine ist ganzjährig frei zugänglich und kostet keinen Eintritt. Erreichbar ist sie nur zu Fuß, am kürzesten in 15 bis 20 Minuten vom Waldmuseum Watterbacher Haus in Preunschen.

Was du in der Ruine siehst

Die Hauptburg misst rund 89 auf 35 Meter. Du betrittst sie wie früher durch den Torturm, in dessen Obergeschoss die Kapelle St. Georg lag; ihr Erker springt nach Südosten vor. Dahinter liegt der mittlere Burghof, zu dem einst auch ein Brunnen gehörte. An der südwestlichen Ringmauer standen Wohn- und Wirtschaftsgebäude, deren Fenster du zum Teil noch in der Mauer erkennst. An der Bergseite steht der viereckige Bergfried, übereck in eine 2,5 Meter dicke Schildmauer gestellt. Seine Buckelquader sind fast so gut erhalten wie zur Bauzeit, der Eingang lag rund acht Meter über dem Boden.

Den nördlichen Teil der Kernburg nimmt der Palas an der Talseite ein, wohl der künstlerisch bedeutendste Bau der Anlage. Unten lag ein beheizbarer Raum mit kleinen Fenstern für die Wintermonate, oben der Saal für sommerliche Feste mit lichten Arkaden. Wie prächtig diese Fenster waren, zeigt die erhaltene dreiteilige Fenstergruppe in der Giebelwand. Seit 1445 trennt eine Mauer den Hof vor dem Palas vom mittleren Burghof. Auf den Buckelquadern der Burg finden sich über 70 verschiedene Steinmetzzeichen. Eines davon, ein Pfeil, taucht auch an der Burg Stolzeneck am Neckar auf.

Direkt neben der Ruine steht die Waldkanzel des Smart Pfads, eine Station über den Wald, seine Wurzeln und den seltenen Beruf des Zapfenpflückers. Für Kinder lohnt sich der kurze Abstecher.

Bergfried, Keller und Führungen

Bergfried und Gewölbekeller kannst du nur mit einem Geopark-Vor-Ort-Begleiter betreten, und das nur von Mitte Mai bis Ende September. 2026 gab es von April bis Oktober jeweils am ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr eine öffentliche Führung mit Treffpunkt direkt an der Burg. Sie dauerte etwa eine Stunde und kostete 7 Euro, für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren war sie frei, eine Anmeldung war nicht nötig. Termine für 2027 sind noch nicht veröffentlicht (Stand Oktober 2026).

Gruppen buchen Führungen über die Gästeinformation Bayerischer Odenwald in Amorbach unter 09373 200574. Dort gibt es auch eine Kombiführung durch Waldmuseum und Burgruine von etwa zweieinhalb Stunden. Für die Führungen ist festes Schuhwerk erforderlich.

Parzival und der Kamin im Palas

Wolfram von Eschenbach erwähnt im Parzival ein „Wildenberc“: So große Feuer wie in der Gralsburg habe man „hie ze Wildenberc“ nie gesehen. Die Stelle wird meist auf diese Burg der Herren von Dürn bezogen, die vermutlich zu Wolframs Gönnern gehörten. Ob der Dichter tatsächlich hier war oder hier an seinem Werk arbeitete, ist nicht belegt. Der große Kamin im Untergeschoss des Palas, an den die Geschichte gern anknüpft, ist in seiner heutigen Form eine Rekonstruktion des 20. Jahrhunderts.

Geschichte in Kürze

Gebaut haben die Burg die Edelherren von Dürn, Gefolgsleute der Stauferkaiser. Sie entstand zwischen etwa 1170 und 1220 in zwei Bauabschnitten, zuerst unter Ruprecht I. von Dürn, dann unter seinem Enkel Konrad I., der ab 1216 den Torturm mit der Kapelle errichten und den Palas aufstocken ließ. Inschriften am inneren Torbogen nennen Burkert und Ruprecht von Dürn als Bauherren, ihre Echtheit ist in der Forschung allerdings umstritten.

1271 verkauften die Dürner die Burg an das Erzstift Mainz, das hier einen Amtssitz einrichtete. Ein Erdbeben im Jahr 1356 soll sie stark beschädigt haben, 1445 ließ Erzbischof Dietrich von Erbach den Burghof durch Mauern unterteilen. Im Bauernkrieg brannten Aufständische die Burg Anfang Mai 1525 nieder. Der Amtssitz wurde nach Amorbach verlegt, die Anlage verfiel.

Im frühen 19. Jahrhundert ließ Graf Franz zu Erbach-Erbach Steine aus der Ruine brechen, unter anderem für die künstliche Ruine Eberhardsburg im Eulbacher Park. Bei der Sanierung in den 1930er-Jahren kehrte ein Teil davon an seinen Platz zurück. Zwei damals ausgebaute Palasfenster werden heute in der ehemaligen Benediktinerabtei in Amorbach aufbewahrt. Die Ruine ist seit 1803 im Besitz des Fürstenhauses zu Leiningen.

Anfahrt und Wege

Mit dem Auto parkst du am Waldmuseum Watterbacher Haus, Dorfstraße 4 in Kirchzell-Preunschen. Von dort führt ein Waldweg in 15 bis 20 Minuten zur Ruine, erst bergab und auf dem Rückweg entsprechend bergauf. Alternativ parkst du am Wildenburg-Parkplatz an der Zeibertsklinge südlich von Buch, wo auch ein Spielplatz des Smart Pfads liegt. Von dort sind es rund 20 Minuten. Gib im Navi einen der Parkplätze ein, nicht die Burg selbst, denn bis zur Ruine kommst du nur zu Fuß.

Der Nibelungensteig führt auf seiner fünften Etappe von Oberzent-Hesselbach nach Amorbach am Watterbacher Haus und an der Burg vorbei. Wer die 24,2 Kilometer lange Etappe teilen möchte, kann in Preunschen nach rund 15 Kilometern unterbrechen und plant dafür ein Taxi ein. Die Wildenburg-Runde K5 ist 14,3 Kilometer lang, beginnt am Sportplatz in Kirchzell, führt durchs Mudtal zur Burg und über Preunschen und Ottorfszell zurück.

Busse fahren nur montags bis freitags und selten nach Preunschen. Ohne Auto startest du am Wochenende am Bahnhof Amorbach und folgst dem Hauptwanderweg 31 des Odenwaldklubs durchs Mudtal über Buch zur Burg, das sind rund sieben Kilometer. Die Wege sind Waldwege mit Steigungen und stellenweise unebenem Boden, die Ruine ist nicht barrierefrei. Toiletten und Einkehr gibt es an der Burg nicht, plane eine Pause in Buch, Kirchzell oder Amorbach ein.

Waldmuseum Watterbacher Haus

Der Ausgangspunkt am Parkplatz ist selbst einen Besuch wert. Das Watterbacher Haus ist ein Firstständerbau aus der Zeit um 1475 und gilt als eines der ältesten erhaltenen Bauernhäuser des Odenwalds. Menschen und Vieh lebten hier unter einem Dach. Jahrhundertelang stand das Haus am Ortseingang von Watterbach, Mitte der 1960er-Jahre wurde es nach Breitenbach versetzt und 1981 in Preunschen wieder aufgebaut. Seit 1997 zeigt es auf rund 200 Quadratmetern das Waldmuseum mit Forstgeschichte seit dem Mittelalter, Berufen rund um den Wald wie Köhler, Glasmacher und Pechsieder sowie den Kirchzeller Zapfenpflückern.

Geöffnet ist das Museum samstags und sonntags, von Oktober bis März von 12 bis 16 Uhr, von April bis September von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 2 Euro, für Familien 4 Euro (Stand Oktober 2026). Weil der Weg zur Burg bergab führt, passt der Museumsbesuch gut an den Schluss, wenn du wieder am Parkplatz bist.

Kombinieren

Amorbach mit der Fürstlichen Abteikirche liegt rund zehn Kilometer entfernt, über der Stadt steht die Gotthardsruine. Zusammen mit der Wildenburg ergibt das einen abwechslungsreichen Tag im Bayerischen Odenwald. Verwechsle die Ruine nicht mit der Mildenburg in Miltenberg oder mit gleichnamigen Burgen wie der Wildenburg im Hunsrück.

Stand:

Häufige Fragen zu Burg Wildenberg (Kirchzell)

Kostet die Burg Wildenberg Eintritt?

Nein. Die Ruine ist ganzjährig frei zugänglich, du besichtigst sie auf eigene Gefahr. Kosten fallen nur für Führungen an: 2026 waren es 7 Euro pro Person, Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren zahlten nichts.

Wann gibt es Führungen auf der Burg Wildenberg?

2026 gab es von April bis Oktober jeweils am ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr eine öffentliche Führung mit Treffpunkt direkt an der Burg, ohne Anmeldung. Termine für 2027 sind noch nicht veröffentlicht (Stand Oktober 2026). Gruppen buchen Führungen über die Gästeinformation Bayerischer Odenwald in Amorbach.

Kann man den Bergfried der Burg Wildenberg besteigen?

Nur mit einem Geopark-Vor-Ort-Begleiter, also im Rahmen einer Führung, und nur von Mitte Mai bis Ende September. Das gilt auch für den Gewölbekeller. Den Rest der Ruine kannst du jederzeit frei besichtigen.

Wo parkt man für die Burg Wildenberg?

Am Waldmuseum Watterbacher Haus, Dorfstraße 4 in Kirchzell-Preunschen. Von dort sind es 15 bis 20 Minuten zu Fuß, erst bergab. Alternativ parkst du am Wildenburg-Parkplatz an der Zeibertsklinge südlich von Buch und gehst etwa 20 Minuten. Mit dem Auto kommst du nicht bis zur Ruine.

Kommt man ohne Auto zur Burg Wildenberg?

Montags bis freitags fahren wenige Busse nach Preunschen, am Wochenende keine. Dann startest du am Bahnhof Amorbach und gehst auf dem Hauptwanderweg 31 durchs Mudtal über Buch zur Burg, rund sieben Kilometer.

Hat Wolfram von Eschenbach auf der Burg Wildenberg den Parzival geschrieben?

Das ist nicht belegt. Der Parzival erwähnt große Feuer „hie ze Wildenberc“, und die Stelle wird meist auf diese Burg der Herren von Dürn bezogen. Ob Wolfram tatsächlich hier war oder hier schrieb, weiß man nicht. Der große Kamin im Palas ist in seiner heutigen Form eine Rekonstruktion des 20. Jahrhunderts.

Was ist das Watterbacher Haus?

Ein Bauernhaus aus der Zeit um 1475, das als eines der ältesten erhaltenen Bauernhäuser des Odenwalds gilt. Es stand ursprünglich in Watterbach und steht seit 1981 in Preunschen am Parkplatz für die Burg. Darin zeigt das Waldmuseum Forstgeschichte und Waldberufe. Geöffnet ist samstags und sonntags, der Eintritt kostet 2 Euro (Stand Oktober 2026).

Ist die Burg Wildenberg dasselbe wie die Wildenburg?

Ja. Beide Namen meinen die Ruine bei Kirchzell-Preunschen. Verwechsle sie nicht mit der Mildenburg in Miltenberg oder mit gleichnamigen Burgen in anderen Regionen, etwa der Wildenburg im Hunsrück.

Wichtige Infos

Kategorie

Kultur

Zugang
Ganzjährig frei zugänglich, kein Eintritt; Bergfried und Gewölbekeller nur mit Geopark-Begleiter von Mitte Mai bis Ende September
Führungen 2026
April bis Oktober am 1. Sonntag im Monat um 15 Uhr, Treffpunkt an der Burg, ca. 60 Min.; 7 €, unter 16 Jahren frei; Termine 2027 noch nicht veröffentlicht
Gruppen
Gästeinformation Bayerischer Odenwald, Schloßplatz 1, Amorbach, Tel. 09373 200574; Kombiführung mit Waldmuseum ca. 2,5 Std.
Parken
Watterbacher Haus, Dorfstraße 4, Kirchzell-Preunschen; alternativ Wildenburg-Parkplatz Zeibertsklinge südlich von Buch
Fußweg
Ab Watterbacher Haus 15–20 Min., erst bergab; ab Zeibertsklinge ca. 20 Min.; keine Toiletten oder Einkehr an der Burg
Sehenswert
Bergfried aus Buckelquadern, Torturm mit früherer Kapelle St. Georg, Palas mit dreiteiliger Fenstergruppe, über 70 Steinmetzzeichen
Geschichte
Um 1170–1220 von den Herren von Dürn erbaut, 1271 an Mainz verkauft, im Bauernkrieg 1525 niedergebrannt; seit 1803 im Besitz des Fürstenhauses zu Leiningen
Wandern
Nibelungensteig Etappe 5, Wildenburg-Runde K5 ab Sportplatz Kirchzell (14,3 km), Hauptwanderweg 31 ab Bahnhof Amorbach
Ohne Auto
Bus nach Preunschen nur Mo–Fr; am Wochenende zu Fuß ab Bahnhof Amorbach, rund 7 km über Buch
Waldmuseum
Watterbacher Haus, Sa und So: Okt.–März 12–16 Uhr, Apr.–Sep. 11–17 Uhr; 2 €, Familien 4 € (Stand Oktober 2026)

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