Rund zwei Kilometer westlich der Amorbacher Altstadt steht im Otterbachtal die Kapelle Amorsbrunn. Sie ist über einer Quelle gebaut, um die sich seit Jahrhunderten Legenden ranken, und schüttet laut Stadt Amorbach selbst bei Trockenheit vier Liter Wasser pro Sekunde. Drinnen wartet ein spätgotischer Jesse-Altar, draußen liegen ein altes Heilbad, eine steinerne Kanzel und eine Mariensäule. Von Mai bis Oktober ist die Kapelle tagsüber geöffnet, und von der Abteikirche aus erreichst du sie in einer knappen halben Stunde zu Fuß.
Der Überlieferung nach sollen im 8. Jahrhundert irische Wandermönche, die Gaugraf Ruthard ins Land geholt hatte, von hier aus den Odenwald christianisiert haben. Die Quelle war vermutlich schon vorher ein Kultort. Später verband man sie mit einem heiligen Amor, nach dem die Kapelle bis heute benannt ist. Der Name der Stadt geht dagegen wohl nicht auf den Liebesgott zurück, sondern auf ein altes Wort für Emmer, ein Urgetreide.
Bis ins 17. Jahrhundert wurden dem Wasser Wunderheilungen nachgesagt, besonders gegen Kinderlosigkeit und Augenkrankheiten. Frauen mit Kinderwunsch kamen nach Angaben der Gästeinformation Bayerischer Odenwald noch bis ins 20. Jahrhundert, um das Quellwasser anzuwenden.
Spätestens im 12. Jahrhundert entstand über der Quelle ein romanisches Kirchlein, dessen Steine zum Teil noch im heutigen Bau stecken. Weil immer mehr Wallfahrer kamen, wurde die Kapelle Anfang des 16. Jahrhunderts erweitert; am Bau steht die Jahreszahl 1521. Damals kam der gewölbte Chor hinzu. In ihm steht der farbig gefasste, spätgotische Flügelaltar, der den Stammbaum Marias zeigt, dargestellt als Wurzel Jesse. Er gilt als Höhepunkt der Ausstattung. Außen an der Chorwand ist seit 1535 ein großer Christophorus aufgemalt.
Die Quelle entspringt unter der Kapelle. Rechts daneben liegt das im 16. Jahrhundert angelegte Heilbad, ein eckiges Becken aus Sandstein mit Treppenabstieg. Es war bis ins 18. Jahrhundert überdacht und wird bis heute vom abfließenden Wasser gespeist. Links der Kapelle stehen eine steinerne Freikanzel für Gottesdienste im Freien und eine barocke Mariensäule von 1720. Ein Picknickplatz lädt zur Pause ein.
Die Kapelle ist von Mai bis Oktober von 10 bis 17 Uhr geöffnet; die Gästeinformation nennt als Saison den 1. Mai bis einschließlich 1. November. Bei Gottesdiensten und anderen kirchlichen Veranstaltungen ist keine Besichtigung möglich. Öffentliche Führungen gab es 2026 an einzelnen Sonntagen um 15 Uhr, etwa am 7. Juni, 16. August, 20. September und 4. Oktober. Sie dauerten rund eine Stunde, Treffpunkt war direkt an der Kapelle, und sie kosteten 7 Euro, für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren waren sie frei. Gruppen ab 20 Personen buchen eine Führung über die Gästeinformation für 3 Euro pro Person, mindestens 60 Euro (Stand Oktober 2026).
Amorsbrunn ist bis heute ein Ort der Volksfrömmigkeit. Im Mai zieht der Gangolfsritt mit Reitern und Kutschen vom Amorbacher Schlossplatz zur Kapelle, wo Ross und Reiter gesegnet werden. In der Bittwoche vor Christi Himmelfahrt kommen Prozessionen aus Amorbach, Schneeberg und Weilbach.
Vom Schlossplatz sind es rund 1,8 Kilometer, etwa 25 Minuten zu Fuß, über die Löhrstraße und die Boxbrunner Straße auf die Amorsbrunner Straße. Auf dem letzten Stück begleiten dich die kleinen Wegkapellen eines Stationswegs zu den Sieben Schmerzen Mariens aus dem 18. Jahrhundert. Der Bahnhof Amorbach liegt ebenfalls nur wenige Minuten von der Altstadt entfernt, ein Besuch ohne Auto ist also einfach.
Am besten verbindest du Amorsbrunn mit der Fürstlichen Abteikirche und ihrer Stumm-Orgel in der Altstadt. Dort sind von April bis Anfang November auch Führungen durch Grünen Saal und Bibliothek möglich. Danach lohnen das Templerhaus und der Aufstieg zur Gotthardsruine über der Stadt. Wer mehr über die Sagen der Gegend wissen will, findet sie in unserem Überblick zu Sagen und Legenden im Odenwald.
Stand:
Von Mai bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr; die Gästeinformation Bayerischer Odenwald nennt als Saison den 1. Mai bis einschließlich 1. November. Während Gottesdiensten und anderen kirchlichen Veranstaltungen ist keine Besichtigung möglich (Stand Oktober 2026).
Ein farbig gefasster, spätgotischer Flügelaltar im Chor der Kapelle. Er zeigt den Stammbaum Marias in Form der sogenannten Wurzel Jesse, also die Abstammung von Jesse, dem Vater König Davids. Die Gästeinformation hebt ihn als größte Sehenswürdigkeit im Inneren hervor.
Die Kapelle ist einem heiligen Amor geweiht, mit dem die Legende die Christianisierung der Quelle verbindet. Mit dem römischen Liebesgott hat der Name nach gängiger Deutung nichts zu tun. Der Ortsname Amorbach wird meist auf ein altes Wort für Emmer zurückgeführt, ein Urgetreide.
Rund zwei Kilometer. Vom Schlossplatz an der Abteikirche gehst du etwa 1,8 Kilometer oder 25 Minuten über Löhrstraße, Boxbrunner Straße und Amorsbrunner Straße. Auf dem letzten Stück stehen die Wegkapellen eines Stationswegs aus dem 18. Jahrhundert.
Ja. 2026 gab es öffentliche Führungen an einzelnen Sonntagen um 15 Uhr mit Treffpunkt an der Kapelle, rund eine Stunde für 7 Euro, unter 16 Jahren frei. Gruppen buchen ganzjährig über die Gästeinformation Bayerischer Odenwald in Amorbach.
Bis ins 17. Jahrhundert galt das Wasser als wundertätig, besonders gegen Kinderlosigkeit und Augenkrankheiten. Frauen mit Kinderwunsch kamen nach Angaben der Gästeinformation noch bis ins 20. Jahrhundert. Neben der Kapelle liegt das Heilbad aus dem 16. Jahrhundert, das bis heute vom Quellwasser gespeist wird.
Kategorie
Kultur
Amorsbrunn 2, 63916 Amorbach
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