Auf dem freien Höhenrücken bei Vielbrunn steht ein hölzerner Wachturm, wie ihn römische Soldaten um 110/115 n. Chr. am Odenwaldlimes errichteten. Der Nachbau von 2010 ist 11,5 Meter hoch und steht mit einem Stück Palisade direkt neben der historischen Turmstelle Wp 10/15. Wenn er geöffnet ist, führt innen eine Wendeltreppe nach oben. Wer römische Geschichte lieber im Gelände als in Vitrinen erlebt, verbindet den Turm mit dem Limeswanderweg zum Kastell Hainhaus.
Gebaut wurde der Turm 2010, im Oktober desselben Jahres wurde er eingeweiht. Als Vorlage dienten Grabungsbefunde von Turmstellen am Odenwaldlimes und Darstellungen römischer Holzbauten, etwa das Relief auf der Trajanssäule in Rom. Die Römer setzten die Eckpfosten bis zu 1,9 Meter tief in die Erde, beim Nachbau sind sie auf einen Betonsockel geschraubt, damit das Holz länger hält.
Eine Tür im Erdgeschoss und die Wendeltreppe gab es im Original nicht. Die sechs- bis achtköpfige Wachmannschaft stieg über eine Leiter ins Mittelgeschoss, in dem sie wohnte, und zog die Leiter hinter sich hoch. Gewacht wurde im Obergeschoss mit großen Ausguckfenstern. Der Standort auf dem baumlosen Höhenrücken bietet Sichtweiten bis in den Spessart.
Die originale Holzturmstelle liegt etwa zehn Meter südlich des Nachbaus. Sie wurde geophysikalisch nachgewiesen und ist als runder Hügel mit Ringgraben im Gelände zu erkennen.
Der Odenwaldlimes sicherte von etwa 110/115 bis 155/160 n. Chr. die römische Grenze zwischen Obernburg am Main und Bad Wimpfen am Neckar, rund 80 Kilometer mit etwa 20 Kastellen und 80 Wachtürmen. Zuerst entstanden ein Postenweg, Kastelle und Holztürme wie dieser, um 120 n. Chr. kam eine Palisade hinzu, um 145/146 ersetzten Steintürme die hölzernen. Danach verlegten die Römer die Grenze nach Osten an den Obergermanisch-Raetischen Limes.
Nur dieser jüngere Limes gehört zum UNESCO-Welterbe, in Hessen endet der Welterbe-Abschnitt bei Seligenstadt am Main. Der Odenwaldlimes bei Vielbrunn ist kein Welterbe, auch wenn das mitunter zu lesen ist. Welterbe-Reste in der Nähe findest du etwa bei Walldürn.
Der Turm ist samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet, bei schlechter Witterung bleibt er geschlossen. Führungen gibt es nach Anmeldung bei der Gästeinformation Michelstadt unter 06061 74610.
Parkplätze liegen direkt am Turm an der L 3349. Von Michelstadt fährst du auf der B47 Richtung Amorbach und biegst nach etwa acht Kilometern links auf die L 3349 ab. Nach rund fünf Kilometern siehst du ihn hinter dem Waldrand schon von Weitem. Er steht links der Straße, der Parkplatz liegt rechts gegenüber.
Ohne Auto kommst du ab Bahnhof Michelstadt mit dem Bus nach Vielbrunn: montags bis freitags mit der Linie 49, samstags, sonntags und an Feiertagen alle zwei Stunden mit der Linie 40. Die Haltestellen liegen im Ort, der Turm steht am Ortsrand.
Am Parkplatz beginnt der mit „L“ markierte Limeswanderweg, eine Runde von etwa 6,5 Kilometern und rund zwei Stunden. Er folgt der früheren Grenzlinie an der Turmstelle Wp 10/14 vorbei zum Numeruskastell Hainhaus. Dort sind Wall und Graben des Kastells zu erkennen, dazu ein Jagdhaus der Fürsten zu Löwenstein-Wertheim aus dem 18. Jahrhundert und sechs barocke Steinsessel, zwei davon mit der Jahreszahl 1775. Zurück geht es am Tannenberger See vorbei über den Weiler Bremhof, wo du einkehren kannst.
Auf dem nahen Segelfluggelände ist in der Regel von April bis September an Wochenenden und Feiertagen Flugbetrieb. Für Familien gibt es in Vielbrunn außerdem den 787 Meter langen, barrierefreien Planeten- und Erdzeitalterweg.
Weiter südlich am Odenwaldlimes liegt das Kastell Würzberg. Sein Wall mit Graben ist erhalten, das benachbarte Badegebäude gilt als das am besten erhaltene römische Zeugnis der Gegend. Vom Parkplatz „Zum Römerbad“ sind es rund ein Kilometer zu Fuß. Im Englischen Garten in Eulbach stehen Nachbildungen römischer Bauteile, die allerdings nicht authentisch sind. Etwas weiter entfernt liegt die römische Villa Haselburg zwischen Brensbach und Höchst im Odenwald.
Stand:
Ja, wenn er geöffnet ist: samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Innen führt eine Wendeltreppe nach oben. Bei schlechter Witterung bleibt der Turm geschlossen. Führungen gibt es nach Anmeldung bei der Gästeinformation Michelstadt.
Nein. Der Turm steht am Odenwaldlimes, der ältesten Grenzlinie in dieser Gegend, die die Römer um 155/160 n. Chr. aufgaben. Zum Welterbe gehört nur der jüngere Obergermanisch-Raetische Limes weiter östlich, etwa bei Walldürn. In Hessen endet der Welterbe-Abschnitt bei Seligenstadt am Main.
Nein, er ist ein Nachbau von 2010. Die originale Holzturmstelle Wp 10/15 liegt etwa zehn Meter südlich und ist als runder Hügel mit Ringgraben zu sehen. Die Holztürme am Odenwaldlimes wurden um 145/146 n. Chr. durch Steintürme ersetzt.
Der Limeswanderweg „L“ startet am Parkplatz des Turms. Die Runde ist etwa 6,5 Kilometer lang, dauert rund zwei Stunden und führt an der Turmstelle Wp 10/14 vorbei zum Kastell Hainhaus mit Wall, Graben und barocken Steinsesseln. Einkehren kannst du im Weiler Bremhof.
Kategorie
Geschichte
Am Segelfluggelände, L 3349 Richtung Lützelbach, 64720 Michelstadt-Vielbrunn
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