Römische Villa Haselburg
Geschichte

Römische Villa Haselburg

Über dieses Ziel

Auf einer Hochfläche südlich von Hummetroth liegen die Grundmauern eines der größten römischen Gutshöfe in Hessen. Die Römische Villa Haselburg ist rund 1.900 Jahre alt und war ein Landgut, keine Burg. Heute ist sie ein Freilichtmuseum, das du ganzjährig kostenlos besichtigen kannst: Herrenhaus, Bad, Wirtschaftstrakt und Heiligtum sind auf ihren alten Fundamenten wieder aufgemauert. Von April bis Oktober zeigt das Informationszentrum sonn- und feiertags die Funde aus der Grabung. Vom Gelände reicht der Blick über den Odenwald bis nach Baden-Württemberg und in den Spessart.

Ein Gutshof aus der Zeit Hadrians

Die Villa entstand in der späten Regierungszeit Kaiser Hadrians, um 130 bis 140 nach Christus. Der Gutshof gehörte zur Civitas Auderiensium mit dem Hauptort Dieburg und lag im Schutz des Limes. Er bestand wahrscheinlich nicht länger als 100 Jahre, also etwa drei Generationen. Spätestens um 260, als sich germanische Übergriffe auf das Grenzland häuften, war er verlassen. Danach verfiel die Anlage und diente teilweise als Steinbruch.

Auf den Mauerresten wuchsen später Haselsträucher, von denen die Haselburg ihren Namen hat. Lange hielten Forscher sie für ein Kastell. Erst die Grabungen von Heinrich Gieß in den Jahren 1880 bis 1886 widerlegten diese Annahme: Hier stand eine große zivile Niederlassung.

Was du auf dem Gelände siehst

Die Hoffläche ist fast quadratisch, rund 183 mal 185 Meter, und war von einer Mauer umgeben. Ihre Ecken sind wieder aufgemauert, den übrigen Verlauf deutet eine Hecke an. In der Mitte der Nordwestseite lag das Tor mit einer Durchfahrt von 3,60 Metern. Tafeln an den Grundmauern erklären, wozu die einzelnen Gebäude dienten.

Zum Herrenhaus führte ein dreiseitiger Säulenvorbau, später umschloss ein Säulengang auf drei Seiten einen Innenhof. Der mittlere der fünf ausgegrabenen Räume war ein Speise- und Empfangsraum mit Apsis, in der die Speisesofas standen. Die Apsis und der Raum daneben ließen sich mit einer Fußboden- und Wandheizung wärmen, deren Reste teilweise rekonstruiert sind.

Südwestlich schließt das Bad an, das mit gut 14 mal 11 Metern im Verhältnis zur Anlage ungewöhnlich groß ist. Es hatte ein Kaltbad, ein Laubad und ein Warmbad, beheizt über eine Hypokaustanlage, und daneben eine Latrine mit eigenem Zugang. Östlich des Innenhofs lag der Wirtschaftstrakt mit Keller und Küche, im Keller fand sich ein zerborstener Ofen. Nördlich davon wachsen heute Küchenkräuter, die für den Ort nachgewiesen sind.

Etwa 30 Meter westlich des Hauptgebäudes liegen die Fundamente eines kleinen Heiligtums. In seinem Hof stand eine Jupitergigantensäule, die über zehn Meter hoch war. Die Umrisse des Heiligtums wurden 2006 wieder aufgebaut.

Ausgrabung und Informationszentrum

Das Herrenhaus kam 1979 zum Vorschein, als eine Ferngasleitung durch das Gelände gebaut wurde. Statt einen Graben auszuheben, presste man die Leitung in einem Schutzrohr unter den Fundamenten hindurch. Danach wurden Wohngebäude, Bad, Vorhof und Keller ausgegraben und aufgemauert, 1993 folgten die übrigen Ecken der Umfassungsmauer. Die Anlage gehört der Gemeinde Höchst, ein Förderverein betreut sie ehrenamtlich.

Das Informationszentrum entstand 2012. Seine Ausstellung zeigt Funde aus der Grabung und erklärt das ländliche Leben der Römer, mit 3D-Rekonstruktionen der Gebäude, einer Nachbildung der Jupitergigantensäule und Modellen zur Bau- und Heizungstechnik. Den bekanntesten Fund siehst du allerdings in Darmstadt: Ein 1839 entdeckter Ziegel mit eingeritzter Inschrift gilt als einer der frühesten Belege für Schriftlichkeit in Hessen und liegt heute im Hessischen Landesmuseum.

Öffnung, Führungen und Römerfest

Das Gelände ist ganzjährig frei zugänglich. Das Informationszentrum hat von April bis Oktober sonn- und feiertags von 13 bis 17 Uhr geöffnet (Stand Oktober 2026). Führungen für Einzelpersonen, Gruppen und Schulklassen gibt es nach Vereinbarung mit dem Förderverein. Sie kosten 4 Euro pro Person, mindestens 20 Euro, eine Probe römischen Gewürzweins kostet 1,50 Euro extra. Einmal im Jahr findet auf dem Gelände ein Römerfest statt, 2027 im Juni.

Wandern und Radfahren

Die Villa ist ein Einstieg in den Qualitätswanderweg H1 „Durch Schluchten ins Römerland“. Die anspruchsvolle Runde ist 17,8 Kilometer lang, hat 325 Höhenmeter und verbindet die Obrunnschlucht, die Bergkirche in Mümling-Grumbach und das Annelsbacher Tal. Über die Bahnhöfe Höchst und Mümling-Grumbach lässt sie sich in zwei Etappen von 7,9 und 9,9 Kilometern teilen. In der Bergkirche ist das originale Matronenrelief aus dem 2. Jahrhundert zu sehen.

Für Familien gibt es den Rundweg HU2 „Spiel und Spaß im Römerland“: 4,9 Kilometer mit 90 Höhenmetern, Start an der Villa Haselburg oder am Parkplatz am Ortseingang von Annelsbach. Spielplätze und Einkehrmöglichkeiten liegen in Annelsbach und Hummetroth direkt am Weg. Mit dem Rad erreichst du die Villa auf dem 24 Kilometer langen Haselburg-Rundkurs zwischen Höchst und Bad König.

Anfahrt, Parken und Bus

Die Villa liegt direkt an der Landstraße L 3106 zwischen Höchst und Brensbach, rund fünf Kilometer von Höchst entfernt. Mit dem Auto folgst du von der B 38 oder der B 45 den braunen Hinweisschildern. An der Anlage gibt es 50 Parkplätze für Autos und zwei für Busse.

Mit der Odenwaldbahn fährst du bis Höchst (Odw) oder Mümling-Grumbach. Ab Höchst Bahnhof fährt die Buslinie 35 in acht Minuten bis zur Haltestelle Hummetroth Brunnen. Samstags, sonntags und an Feiertagen verkehrt sie alle zwei Stunden als Rufbus: Melde die Fahrt spätestens eine Stunde vorher unter 06061 9799-77 oder in der App „garantiert mobil“ an. Die Fahrpläne gelten seit dem 14. Dezember 2025 (Stand Oktober 2026).

Stand:

Häufige Fragen zu Römische Villa Haselburg

Ist die Römische Villa Haselburg frei zugänglich?

Ja. Das Gelände mit den Grundmauern kannst du ganzjährig kostenlos besichtigen. Das Informationszentrum mit den Funden hat von April bis Oktober sonn- und feiertags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen gibt es nach Vereinbarung mit dem Förderverein.

Ist die Haselburg eine römische Burg?

Nein. Die Haselburg war ein römischer Gutshof, eine sogenannte Villa rustica. Ihren Namen hat sie von den Haselsträuchern, die später auf den Mauerresten wuchsen. Bis zu den Grabungen der 1880er-Jahre hielten Forscher die Anlage für ein Kastell.

Wie alt ist die Römische Villa Haselburg?

Rund 1.900 Jahre. Der Gutshof entstand in der späten Regierungszeit Kaiser Hadrians, um 130 bis 140 nach Christus. Er bestand wahrscheinlich nicht länger als 100 Jahre und war spätestens um 260 nach Christus verlassen.

Was kostet eine Führung auf der Haselburg?

4 Euro pro Person, mindestens 20 Euro. Mit einer Probe römischen Gewürzweins kommen 1,50 Euro pro Person dazu. Termine für Einzelpersonen, Gruppen und Schulklassen vereinbarst du mit dem Förderverein (Stand Oktober 2026).

Wie kommt man mit Bus und Bahn zur Villa Haselburg?

Mit der Odenwaldbahn bis Höchst (Odw), dann mit der Buslinie 35 in acht Minuten bis Hummetroth Brunnen. Samstags, sonntags und an Feiertagen fährt die Linie alle zwei Stunden als Rufbus, den du spätestens eine Stunde vorher unter 06061 9799-77 oder in der App „garantiert mobil“ anmeldest. Zu Fuß führt der Wanderweg H1 von den Bahnhöfen Höchst und Mümling-Grumbach zur Villa.

Gibt es noch eine andere Haselburg im Odenwald?

Ja. Zwischen Reinhardsachsen und Gerolzahn bei Walldürn liegt das Kleinkastell Haselburg, ein römisches Militärlager am Obergermanisch-Raetischen Limes in Baden-Württemberg. Es ist ein anderer Ort als der Gutshof bei Höchst-Hummetroth.

Wichtige Infos

Kategorie

Geschichte

Zugang
Freilichtmuseum ganzjährig frei und kostenlos zugänglich
Informationszentrum
April–Oktober sonn- und feiertags 13–17 Uhr; Funde, 3D-Rekonstruktionen und Modelle (Stand Oktober 2026)
Führungen
Nach Vereinbarung mit dem Förderverein, 4 € pro Person, mindestens 20 €; mit römischem Gewürzwein 1,50 € mehr
Anlage
Gutshof aus der Zeit um 130–140 n. Chr., rund 3,5 ha, mit Herrenhaus, Bad, Wirtschaftstrakt und Jupiterheiligtum
Lage
An der L 3106 zwischen Höchst und Brensbach, südlich von Hummetroth; braune Hinweisschilder ab B 38 und B 45
Parken
50 Pkw- und 2 Busparkplätze an der Anlage
Bahn und Bus
Odenwaldbahn bis Höchst (Odw), weiter mit Bus 35 bis Hummetroth Brunnen; Sa, So und Feiertage Rufbus, 1 Std. vorher anmelden: 06061 9799-77
Wandern
Qualitätswanderweg H1 (17,8 km) und Familienrundweg HU2 (4,9 km) mit Einstieg an der Villa

Anfahrt

Zur Haselburg, Hummetroth, 64739 Höchst i. Odw.

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